In den kalten Nächten der kolumbianischen Anden gibt es nichts Besseres als ein heißes Panela-Getränk und eine Ruana.
Pierre Vionnet
aus Frankreich
Sie sind in:
Dorf von Boyacá
Der Sombrero vueltiao (gedrehter Hut) ist das Symbol der Atlantikküste, die Bambusart Guadua typisch für das Kaffee-Dreieck, die Steinnuss Tagua charakteristisch für den Chocó und der Umhang Ruana steht für Boyacá, was in der Muisca-Sprache Tierra de Mantas (Erde der Wolldecken) bedeutete, in Bezug auf die in dieser Region von Einheimischen hergestellten Gewebe aus Schafswolle.
Die Ruana ist ein vier- oder rechteckiger, ärmelloser Umhang mit einer Öffnung in der Mitte, durch die der Kopf gesteckt wird. Sie ist der Mantel für die Bewohner von kalten und gemäßigten Klimazonen und ein sehr bequemes Kleidungsstück. Im Unterschied zum Poncho, ihr Bruder des warmen Landes (auch wenn man im Rest von Lateinamerika, mit Ausnahme von Venezuela, die Ruana als Poncho kennt) ist sie ein beliebtes Kleidungsstück der Landbevölkerung.
Die Wurzeln der Ruana gehen auf die Begegnung der Spanier mit den Chibchas, die damals diesen Landstrich bewohnten, zurück.
Gewebte Ruana aus Boyacá /Foto: crochetgal
Als die Spanier im 16. Jahrhundert in der heutigen Region von Boyacá ankamen, sahen sie, dass die nativen Stämme ein Kleidungsstück trugen, das für das kalte Klima der Hochebene geeignet war und mit dem sie ihre soziale Position und die Unterscheidung ihres Geschlechts zum Ausdruck brachten.
Die indigenen Frauen trugen eine lange, quadratische Decke, die sog. Chircate, die bis zu den Knöcheln reichte. Die Männer dagegen, bedeckten sich mit einer kürzeren, bis zu den Knien reichenden Wolldecke, um sich vor der Kälte zu schützen.
Die spanischen Eroberer benutzten eine Art Mantel als Kälteschutz. Dieses Gewand wurde dann mit dem Kleidungsstück der Chibchas kombiniert und so entstand die jetzige typische Woll-Ruana von Boyacá, die zusammen mit einer Drill-Hose, einem Baumwollhemd, Alpargatas (typische Sandalen) und dem dort typischen Hut Sombrero de tapia pisada getragen wird.
Über viele Jahre hinweg wurde die Ruana ausschließlich von Bauern getragen, aber mit der Zeit setzte sie sich in allen sozialen Schichten durch und wurde zum Kulturerbe Kolumbiens.
Gewebte Ruana aus Boyacá /Foto: fefaeasartes
Die Ruana ist ein rein handgemachtes Produkt und wird wie seit je her aus reiner Schafswolle auf Webstühlen gefertigt. Sie ist ein weiches Kleidungsstück von hoher Qualität und ideal für niedrige Temperaturen.
Jede Ruana ist ein unvergleichbares Unikat, da die Schafswolle, aus der sie gewebt ist, ein Naturrohstoff ist. Also wird man nie zwei gleichaussehende antreffen.
Der Mantel mit den vier Ecken, wie man sie liebevoll in Boyacá nennt, ist nicht nur ein Kleidungsstück, das vor Kälte schützt, sondern findet in Kolumbien weitere Verwendungen: Sie dient als Bettdecke, Unterlage für ein romantisches Picknick oder Sonnenbad in freier Natur und zusammengefaltet ersetzt sie das Kissen.
Dieses Kleidungsstück, „Dorfgründerin mit dem Tiple […]; Mantel des Macho- Machos, Decke in der Paisa-Wiege, treuer Schatten meiner Großeltern und Schatz meiner Heimat; süßer Geschmack der Sünde”, wie der Komponist Luis Carlos González aus Pereira in seinem Bambuco-Lied Ruana singt, wärmt mehr als ein Pullover, weshalb sie wohl nie aus der Mode kommen wird.
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